Musiker und Kulturschaffende: Aufruf zum ESC-Boykott wegen Israels Genozid
Siehe dazu auch den Kommentar in den Nachdenkseiten vom 26.4.2026: ESC-Motto: Musik verbindet – stimmt, würde sie ohne Ausschlüsse und Boykotte erklingen und würden Kriege endlich beendet
Nachfolgend die deutsche Fassung von der Homepage des Aufrufes.
Im Mai 2026 werden wieder Millionen von Menschen den 70. Eurovision Song Contest verfolgen. Zum dritten Jahr in Folge werden wir erleben, wie Israel auf der Bühne gefeiert wird, obwohl es seinen Völkermord in Gaza unvermittelt fortsetzt. Russland hingegen, bleibt wegen seines illegalen Einmarsches in die Ukraine weiterhin vom Wettbewerb ausgeschlossen.
Als Musiker*innen und Kulturschaffende lehnen wir es ab, dass der Eurovision Song Contest genutzt wird, um Israels Völkermord und brutale militärische Besatzung gegen die Palästinenser*innen zu normalisieren und zu beschönigen.
Solange die EBU den in den Völkermord verstrickten israelischen Sender KAN am Wettbewerb teilnehmen lässt, fordern wir alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, Künstler*innen, Veranstalter*innen von Public Viewings, Crews und Fans dazu auf, den diesjährigen Eurovision Song Contest zu boykottieren.
Wir begrüßen die Haltung der spanischen, irischen, isländischen, slowenischen und niederländischen Rundfunkanstalten und die Entscheidung zahlreicher nationaler Vorentscheidungs- Finalist*innen, nicht zum ESC 2026 zu reisen. So wie damals viele Künstler*innen gegen die Unterdrückung in Südafrika aufstanden, möchten wir auch jetzt unsere Solidarität zum Ausdruck bringen.
Israels Apartheid-Präsident Isaac Herzog – der in der Klageschrift Südafrikas vor dem Internationalen Gerichtshof wegen Anstiftung zum Völkermord genannt wird – hat eine führende Rolle bei der Lobbyarbeit gegenüber den Rundfunkanstalten gespielt. Er hat sich dafür eingesetzt, dass Israel nicht vom weltweit meistgesehenen Live-Musik-Event ausgeschlossen wird.
Die heuchlerischen Doppelstandards hinsichtlich der Verurteilung der Verbrechen Russlands auf der einen und der Normalisierung israelischer Verbrechen auf der anderen Seite, haben jeden Anschein von „Neutralität“ seitens des ESC zunichtegemacht. 2022 erklärte die EBU, die Anwesenheit Russlands würde „den Wettbewerb in Verruf bringen“.
Mehr als 30 Monate Völkermord in Gaza, ethnischen Säuberungen und Landraub im belagerten Westjordanland sind für die EBU aber immer noch nicht Grund genug, um Israel ebenfalls vom Wettbewerb zu disqualifizieren.
Wie kann irgendein Künstler*in oder ESC-Fan guten Gewissens an der nächsten Austragung des Wettbewerbs in Österreich teilnehmen, angesichts der US-amerikanisch-israelischen Pläne für hyperüberwachte Konzentrationslager in „New Gaza“? Es gibt Momente in der Geschichte, in denen passives Schweigen keine Option ist.
Wir weigern uns still zu sein, während Israels mörderische Gewalt den Soundtrack zur gleichzeitigen Zerstörung palästinensischer Leben liefert und palästinensische Stimmen systematisch zum Verstummen gebracht werden. Wir weigern uns still zu sein, während Kinder in israelischen Gefängnissen Prügel erleiden, weil sie eine Melodie summen. Fast jede Bühne, jedes Studio, jede Buchhandlung und jede Universität in Gaza ist nur noch Schutt und Asche unter deren Trümmern immer noch tausende ermordete Leichen liegen, Menschen, denen ein würdevolles Begräbnis verweigert wurde.
Als Künstler*innen sind wir uns unserer kollektive Handlungsfähigkeit und unserer Macht durch Verweigerung bewusst. Wir weigern uns zu schweigen. Wir weigern uns, mitschuldig zu sein. Wir rufen alle in der Kulturbranche auf, sich uns anzuschließen. Und wir solidarisieren uns mit allen prinzipientreuen Bemühungen zur Beendigung der Komplizenschaft in anderen Branchen.
Keine Bühne für Völkermord. #BoycottEurovision.
Initial Signatories include Brian Eno, Massive Attack, Sigur Rós, Nadine Shah, Idles, Young Fathers, Kneecap, Erika de Casier, Mogwai, Mechatok, Laurel Halo, Black Country New Road, AITANA, Paul Weller, Smerz, Nemahsis, Macklemore, Roger Waters, Peter Gabriel, Primal Scream, Ólafur Arnalds, Of Monsters And Men, Paloma Faith, Salute, David Holmes, Dry Cleaning, Hot Chip, Midland, Olof Dreijer from The Knife, Lido Pimienta and former Eurovision winners Emmelie de Forest and Charlie McGettigan
