Große Bühne für Protest gegen Aufrüstung und Wehrpflicht
von Angelika Wilmen, IPPNW Deutschland
Mehr als 20.000 größtenteils sehr junge Menschen, darunter viele Schüler*innen, haben am 2. Oktober 2026 bei der „Unzwingbar“-Konzertkundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin gegen Aufrüstung, Kriege und die drohende Wehrpflicht protestiert. Auf der Bühne kamen vor allem junge Menschen zu Wort. Sie beleuchteten die negativen Folgen der Militarisierung unserer Gesellschaft und forderten eine lebenswerte und friedliche Zukunft. Viele Teilnehmende trugen Schilder, auf denen sie unter anderem eine Stärkung von Bildung, Gesundheit und Sozialstaat statt blinder Aufrüstung forderten.
„Die Bundesregierung plant bei den sogenannten „Sozialreformen“ Kürzungen, obwohl bereits jetzt fast jede 6. Person in Deutschland in Armut lebt! Für Aufrüstung gibt es Sondervermögen, für uns nichts! Und trotzdem sollen wir alle „kriegstüchtig“ sein! (…) Als Gesundheitspersonal haben wir unsere Berufe gewählt, um das Leiden von Menschen zu verringern und nicht um dabei mitzuhelfen, wenn sich Unschuldige für die Interessen ihrer Regierungen gegenseitig abschlachten müssen! Spätestens beim aktuell stattfindenden Sozialabbau und der geplanten Verletzung unserer Grundrechte durch Zwangsverpflichtung, sei es als Soldat*innen oder in zivilen Einrichtungen, ist klar: Es geht hier nicht um die Verteidigung von Freiheit, Demokratie oder Menschenrechten!“, erklärte die IPPNW-Medizinstudierende Laetitia Malotka bei ihrer Rede.
Neben Vertreter*innen der Schülerstreiks und von GEW-Jugend, Greenpeace und BUND-Jugend sprach der Satiriker Martin Sonneborn, der in Bundeswehruniform in gewohnt provokanter Manier erklärte: „Während sie in der Vergangenheit noch alle paar Jahre diskutiert haben, ob man euch Ballerspiele zumuten kann, haben sie jetzt kein Problem damit, euch direkt zum Ballern zu schicken!“
Weitere Redner berichteten von ihrer Entscheidung zur Verweigerung des Militärdienstes. Jürgen Grässlin, DFG-VK-Mitglied, Autor und Rüstungskritiker, berichtete, dass seine Erfahrungen während seines Wehrdienstes ihn dazu brachten, Pazifist zu werden und zu verweigern. Und Soul Tsalik, ein Aktivist und Kriegsdienstverweigerer aus Israel, erzählte seine beeindruckende Geschichte.
Die Redebeiträge wechselten mit Musikacts ab. Der Rapper Disarstar sang sein Lied „Meine Söhne geb ich nicht“, ein antimilitaristisches Statement gegen die aktuelle Debatte um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland und eine Reminiszenz an Reinhard Mey. Symbolträchtig war der Auftritt der bekannten Rostocker Punk-Band Dritte Wahl, die schon zu DDR-Zeiten ein Lied gegen die NVA geschrieben hatte. Eindrucksvoll war auch der gemeinsame Auftritt des DJs „I’m DMA“ – ursprünglich aus St. Petersburg – mit der Berliner Techno-Tekk-Combo „Guterzogene Asis“. „I’m DMA“ ist nach Deutschland gekommen, um nicht in der Ukraine kämpfen zu müssen. Krönender Höhepunkt der Kundgebung war der Auftritt der Hip Hop Formation K.I.Z, u.a. mit ihrem Lied „Frieden“. „Wir träumen von Frieden“, sang die Menge lauthals mit und dann „Doch erst müssen wir gewinnen“ als Satire auf die kriegstreiberische und heuchlerische westliche Politik. Alle Künstler*innen haben ohne Gage gesungen.
„Unzwingbar“ war die deutschlandweit erste Konzertkundgebung gegen die Wehrpflicht – und ein gelungener Brückenschlag: Junge Menschen, Friedensorganisationen, Gewerkschaften und Umweltbewegung haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam drängende friedens- und gesellschaftspolitische Forderungen auf die Straße zu tragen.
Alle Reden gibt es auf der Unzwingbar-Homepage https://www.unzwingbar.de/#programm
