LIVE PEACE: Musik überwindet Grenzen
Ein Treffen mit der Mit-Gründerin von LIVE PEACE: Marilyn Heib
ein Beitrag von Stephan Gorol, August 2026
„Es geht doch nicht um uns. Es geht uns um den Frieden“: Mit diesen Worten verabschiedet sich Marilyn Heib aus unserem Gespräch über das globale, von ihr mitbegründete Netzwerk „LIVE PEACE“. Kurz vorher noch hatten wir die Frage gestreift, warum manche Aktivist*innen der doch recht überschaubaren Friedensbewegung leider zu häufig ihr eigenes Ego oder „ihre Wahrheit“ in den Vordergrund stellen und somit eine vielfältige und bunte Bewegung erschweren.
Marilyn Heib sind solche Gedanken fremd. Die bisher, von ihr mit ins Leben gerufenen Projekte atmen einen anderen Geist. Ob als Gründerin und Präsidentin des gemeinnützigen Vereins „Go for Climate e.V.“, der sich lokalen Vorhaben zur konkreten CO2 Einsparung sowie internationalen Flüchtlingsprojekten verschrieben hat, oder als Mitbegründerin und langjährige CEO der bettervest GmbH, einer erfolgreichen Investplattform für Bürger*innen zur Finanzierung von Energieeffizienzprojekten: Im Vordergrund stehen menschheitsorientierte Ideen und ihre pragmatische Umsetzung – nicht Name, Ruhm oder Ehre.
So auch beim jüngsten Projekt „LIVE PEACE“, das sie gemeinsam mit ihrem „Seelenverwandten“, dem französischen Veranstaltungsmanager Emmanuel Piegay ins Leben gerufen hat. Dabei kannten sie sich anfangs noch nicht einmal. Zusammengeführt hat sie erst das International Peace Bureau (IPB). Auf der Suche nach Friedensnobelpreisträgern zur Unterstützung eines Friedenskonzertes hatten sich beide – unabhängig voneinander – an die älteste internationale Friedensorganisation gewandt. Zwei Menschen, ein Gedanke und ein Vermittler. Schnell wurde 2022 das grenzüberschreitende Vorhaben „Live Peace“ gegründet, das bisher von 14 Personen oder Organisatoren unterstützt wird, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden, wie Dr. Denis Mukwege (Kogo), dem Center of Civil Liberties (Ukraine) oder Maired Maguire (Irland) und Shirin Ebadi (Iran).
Mit diesem gemeinsamen Projekt erhofft sich Marilyn Heib, „dass der Friedensgedanke in unserer dunklen Zeit nicht in Vergessenheit gerät. Dass die Kraft des Friedens der Welt eine Stimme der Hoffnung verleiht. Eine Hoffnung, die dann einen Wandel in der Politik auslösen kann.“ „LIVE PEACE“ spricht Menschen über alle Parteigrenzen hinweg und unabhängig von Religion, Hautfarbe oder anderen Unterschieden an. An einem Tag können sie, allein vereint durch ihre Friedenssehnsucht Teil eines globalen Moments werden – mit Liedern, Rhythmen und Solidarität. Gleich einer internationalen „Fete de la musique“ finden vom 18.-21. September 2026 (teilweise auch über diesen Zeitraum hinaus) parallel verschiedene Musik- und Kulturveranstaltungen unter dem Dach von „Live Peace“ statt. Verknüpft durch eine gemeinsame, weltweite Schweigeminute am 21. September – dem Internationalen Friedenstag der Vereinten Nationen.
Bereits im vergangenen Jahr konnten so Veranstaltungen in 50 Städten auf 5 Kontinenten miteinander vernetzt werden. Für dieses Jahr wird die Zahl 100 angestrebt. In Deutschland sind bereits Homburg, Karlsruhe, Memmingen, Ravensburg, Wiesbaden und Berlin (Neukölln) mit dabei. In Krefeld versucht eine Initiative über örtliche Einzelveranstaltungen hinaus auch die Stadt als offizielle „Live Peace City“ zu gewinnen. „Denn“, so Marilyn Heib, „damit sich unser Projekt weiter verstetigen kann, sprechen wir jetzt bewusst auch Bürgermeisterinnen und Bürgermeister an und versuchen, Städte als offizielle Partner für das Live Peace Netzwerk zu gewinnen. “ In den USA sind u.a. Gespräche mit Washington DC auf positive Resonanz gestoßen.
„LIVE PEACE“ ist ein offenes Projekt, das von dem Mut und dem Enthusiasmus der vielen vor Ort lebt. Von engagierten Politiker*innen oder Aktivist*innen ebenso wie von „Normalbürger*innen“ oder Intellektuellen und Künstler*innen, Als dezentrales Netzwerk für Alle ist „LIVE PEACE“ bewusst niederschwellig gehalten. Über die Webseite www.live-peace.com kann sich jeder, der die Initiative unterstützen will, – ob mit einem Wohnzimmerkonzert, einer Lesung, einem Theaterabend, einer Manifestation oder, oder, oder … – anmelden und registrieren lassen. Das Logo „LIVE PEACE“ wird den Einzelveranstaltungen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Eine Bewerbung im Rahmen des internationalen Netzwerkes findet statt.
Ab Mitte August sind alle Veranstaltungen für dieses Jahr auf der Homepage einsehbar. Und wer Teil des Teams werden möchte, auch der kann seine Unterstützung über die Homepage anzeigen. Dabei belehrt „LIVE PEACE“ alle eines Besseren die meinen, die Friedensbewegung sei nur noch eine Angelegenheit für ältere , im vergangenen Jahrhundert sozialisierte Menschen. Fast ausnahmslos gehören die Aktivist*innen von“ LIVE PEACE“ der jüngeren Generation an. Marilyn Heib: „Vielleicht schaffen wir es hier entgegen dem Zeitgeist, Manager des Friedens von morgen heranzubilden.“
