Macklemore versus Ed Sheeran: Eine Wendepunkt der Palästina-Bewegung?

Titelfoto: Screenshot aus Video von Instagram-Account Macklemore

Auszüge aus einem Beitrag von  Maike Gosch

unter dem Titel: Skandal um Ed Sheeran und Macklemore: Israels „Südafrika-Moment“?
Quelle: Nachdenkseiten vom 18.9.2026

Der Rauswurf des US-Rappers Macklemore von Ed Sheerans Tour wegen seiner Solidarität mit Palästina sollte offenbar ein Exempel statuieren. Doch er entwickelt sich zum Bumerang: Musiker springen von der Tour ab, Fans boykottieren Sheeran und die Solidarität mit Macklemore wächst. Erleben wir gerade einen Wendepunkt – einen „Südafrika-Moment“ der Palästina-Bewegung?

Es ist viel in Bewegung zurzeit. Ein Skandal in der Musikbranche zieht gerade besonders große Kreise. Der Rapper Macklemore wurde wegen pro-palästinensischer Aussagen von der US-Tour des britischen Musikers Ed Sheeran ausgeschlossen. Macklemore war im Vorprogramm von Ed Sheeran aufgetreten und hatte bei zwei Konzerten in seiner Anmoderation eines Liedes den Völkermord Israels kritisiert. Dabei erklärte er ausdrücklich, dass sich die Kritik nicht gegen seine „jüdischen Brüder und Schwestern“ richte, sondern gegen das Vorgehen der israelischen Regierung und Armee. Er rief dabei auch „Free Palestine“. […]

Laut Ed Sheerans eigener Stellungnahme auf Instagram habe er die Kündigung Macklemores nicht selbst vollzogen. Wörtlich schrieb er: „Die Entscheidung, Macklemore von der Tour zu nehmen, hat der Veranstalter getroffen, nicht ich. Macklemores Vertrag bestand mit dem Veranstalter, nicht mit mir.“ Es gab einen großen „Shitstorm“ gegen Ed Sheeran und Robert Kraft und viel Solidarität mit Macklemore.

Daraufhin sagten sämtliche Vorgruppen und sogar Ed Sheerans Begleitband Beoga ihre Teilnahme an der Tour ab, was wieder sehr viel Unterstützung von anderen Musikern, Prominenten und der breiten Bevölkerung nach sich zog. Die irischen Musiker Aaron Rowe und Beoga bezogen sich in ihrer Begründung zur Absage auch auf die irische Geschichte und die Erfahrung ihres eigenen Volkes mit Völkermord, dem Aushungern und Kolonialismus durch die Briten.

Auf Social-Media-Plattformen explodieren seitdem Lieder, Stellungnahmen und Kommentare von Musikern, Komikern, Experten aus der Musikbranche, aber auch ganz normalen Bürgern, die sich mit der Kontroverse beschäftigen oder sich über Ed Sheeran lustig machen.

Seit Bekanntwerden des Macklemore-Rauswurfs hat Ed Sheeran auf Instagram mehr als 200.000 Follower verloren. Macklemore dagegen gewann auf Instagram rund 1,25 Millionen neue Follower. Der irische Sender Classic Hits Radio hat auf Druck seiner Zuhörer inzwischen sogar Ed Sheerans Musik aus seinem Programm genommen. Billy Bragg, einer der bekanntesten britischen Protestmusiker und seit den Thatcher-Jahren eng mit der Gewerkschafts-, Anti-Apartheid- und antirassistischen Bewegung verbunden, kritisierte Sheeran ebenfalls scharf. Während sich zahlreiche prominente Musiker öffentlich mit Macklemore solidarisierten, ist bislang kein prominenter Künstler bekannt, der dessen Rauswurf guthieß oder sich hinter Sheerans Entscheidung stellte. […]

Viele Kommentatoren glauben, dass dieser Skandal und die massiven Reaktionen aus der Kulturszene einen Epochenbruch markieren. Einige sprechen von einem „Südafrika-Moment“ der pro-palästinensischen Bewegung und beziehen sich damit auf den Erfolg der Boykottbewegung gegen das südafrikanische Apartheidregime in den 1980er-Jahren. Der Boykott Südafrikas existierte damals schon lange, doch 1984 und 1985 sprang er endgültig in die westliche Pop- und Jugendkultur über: „Free Nelson Mandela“ wurde zum Hit, und für die „Sun City“-Kampagne schlossen sich mehr als 50 internationale Stars den „Artists United Against Apartheid“ an und erklärten öffentlich, nicht mehr in Südafrika aufzutreten. Damit begannen sich auch die gesellschaftlichen Kosten umzukehren: Nicht mehr der Boykott Südafrikas musste gerechtfertigt werden, sondern zunehmend dessen Bruch. Genau darin sehen viele die Parallele zu den Ereignissen dieser Woche: Palästina-Solidarität scheint gerade den Schritt von einer politisch und beruflich riskanten Position hin zu einer Haltung zu vollziehen, die die Massen begeistern und ihren Respekt erweckt – während umgekehrt das Schweigen zum Völkermord und die Sanktionierung seiner Kritiker erstmals erhebliche Reputationskosten nach sich zieht. […]

Es scheint, als hätten Israel und die pro-israelischen Lobbyisten die Unterstützung eines großen Teils der Jugend und von Popkultur-Akteuren verloren. Und es ist eine demokratische Bewegung von unten. Der Druck und die Zensur, das israelische Vorgehen nicht zu kritisieren, kommen von den Führungsetagen der Medien, von Politikern, von den Besitzern von Stadien, Filmstudios, von großen Agenturen. Der Widerstand dagegen kommt von unabhängigen Musikern und Fans, denen gerade erst ihre wirkliche Macht bewusst zu werden scheint. Und sie unterstützen die Musiker, die wegen ihrer pro-palästinensischen Positionierung finanzielle und berufliche Schäden erleiden, mit Plattenkäufen, Downloads und vielen andere praktischen Formen von Solidarität, um sie zu entschädigen. Und natürlich mit massiv gestiegener Aufmerksamkeit, der Währung unserer Zeit. […]


YouTube-Video und Lyrics von Macklemore

5.356.376 Aufrufe (Stand 21.9.2026) von 08.05.2024
All proceeds to UNRWA USA. – Donate Here: https://www.unrwausa.org/ HIND’S HALL – Written and Produced by Macklemore – ideo by Macklemore Subtitles by Charles Boonsu Select Video Footage by: Omar – @omaronig Habibi House – @habibihousepodcast
Lyrics: 

The people they won’t leave
What is threatening about divesting and wanting peace?
The problem isn’t the protests it’s what they’re protesting
Cause it goes against what our country is funding
Block the barricade until Palestine is free
Block the barricade until Palestine is free
When I was 7 I learned a lesson from Cube and Eazy E
What was it again?
oh yea fuck the police
Actors in badges protecting property
And a system that was designed by white supremacy
But the people are in the streets
You can pay off meta you can’t pay off me
Politicians who serve by any means
AIPAC, CUFI and all the companies
You see we sell fear around the land of the free
But this generation here is about to cut the strings

You can ban tik Tok take us out the algothim
But it’s too late we’ve seen the truth we bare witness
We’ve seen the ruble the buildings the mothers the children
And all the men that you murdered and then we see how they spin it

Who gets to the right to defend and who gets the right of resistance
Has always been about dollars and the color of your pigment
But White supremacy is finally on blast
Screaming free Palestine until they’re home at last

We see the lies in them
Claiming it’s anti-semetic to be anti-zionist
I’ve seen jewish brothers and sisters out there and riding
In solidarity and screaming free Palestine with em
Organizing, unlearning and finally cutting ties with a State
that’s gotta rely on an apartheid system
To uphold an occupying violent
History been repeating for the last 75
The Nakba never ended, the colonizer lied

If some kids in tents, posted on the lawn
occupying the quad is really against the law
And a reason to call in the police and their squad
where does genocide land in your definition huh?
destroying every college in Gaza and every mosque
pushing everyone into rafah and dropping bombs
The blood is on your hands Biden, we can see it all
And fuck no
I’m not voting for you in the fall

Undecided, you can’t twist the truth
The people out here united never be defeated when Freedom’s on the horizon
Yet the music industry’s quiet complicit in their platform of silence

What happened to the artist what do you got to say?
If I was on a label, you could drop me today
And be fine with it cause the heart fed my page
I want a ceasefire fuck a response from drake

What you willing to risk?
What you willing to give?
What if you were Gaza?
what if those were your kids?
If the west was pretending that you didn’t exist
You’d want the world to stand up
And the students finally did
Let’s get it

Weitere Beiträge zur Thematik

Angst, Wut und Hoffnung: Inside Ed Sheerans Konzert in Philadelphia
Der jüngste Stopp der „Loop“-Tour stand unter besonderer Beobachtung – eine Woche nach Macklemores Rauswurf und den Reaktionen, die er auslöste.
von Maya Georgi – Rolling Stone (20.09.2026)

Ed Sheeran: Der unpolitische Popstar kommt an seine Grenzen
Wegen seiner Haltung zum Nahostkonflikt wurde Macklemore aus dem Vorprogramm von Ed Sheeran entfernt. Der Popstar will unpolitisch bleiben – und stößt damit an Grenzen.
Zeit Online vom 20.9.2026

Der Druck auf Ed Sheerans Tour verändert die Pop-Bühne
Proisraelische Lobbyisten üben Druck auf Sheerans Tour aus – und verlieren das Machtspiel.
von Jack Hunter (ehemaliger Politikredakteur von Rare.us) – Telepolis (18.9.2026)

Trotz Kritik: Macklemore spielt als Headliner beim Deichband-Festival
Zeit Online (Übernahme dpa-Meldung) vom 20.7.2025