Unsere schönsten Antikriegslieder
Von Knut Weil gibt es mittlerweile mehrere veröffentlichte Beiträge im Overton-Magazin unter dem Titel „Unsere schönsten Antikriegslieder“. Siehe Hinweise zum Autor
Du hast ihnen alles gegeben
Ein Mann geht über einen Soldatenfriedhof in der Champagne. Es ist Sommer, zwischen den Kreuzen wachsen Blumen. Die Landschaft hat sich im Laufe der Jahrzehnte erholt. Damals tobte dort der Erste Weltkrieg besonders blutig. Unter der Erde liegt einer, der zurückblieb. Er starb 1916, noch keine 19 Jahre alt. Einen Namen findet der Besucher auf dem Kreuz nicht, aber er geht in ein Zwiegespräch mit dem Gefallenen. Hast du, toter Soldat, mal ein Mädchen geliebt?
Hannes Wader veröffentlichte Es ist an der Zeit 1980. Die Vorlage stammt von Eric Bogle, dessen Lied No Man’s Land Wader ins Deutsche übertrug und dabei eigenständig bearbeitete. Wader lässt seinen Besucher fragen, was man dem jungen Mann vor seinem Abmarsch wohl erzählt haben mag. […]
Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne
Es ist März 1870. Zwischen Frankreich und Preußen herrscht noch Frieden. Vier Monate später beginnt der Deutsch-Französische Krieg, Zehntausende werden den Tod finden. Einige Monate vor diesem Krieg erregt ein Lied Anstoß, das sogar einige Soldaten für zwei Wochen ins Gefängnis gebracht haben soll, weil sie es intoniert hatten: Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne / als ich es ward, hat man mich nicht gefragt.
Lange Zeit galt der Arbeiterdichter Max Kegel als Urheber. Aber als sicher gilt das heute nicht mehr. Dem kriegserprobten Preußen, das in den zurückliegenden Jahren Dänen und Österreicher besiegt hatte und den Norddeutschen Bund dominierte, behagte das Lied ganz und gar nicht. Die Militaristen witterten die Untergrabung der Truppenmoral. O sagt mir an, wozu braucht ihr Soldaten? Diese Frage wurde aus Sicht der Kriegsvorbereiter zu einem ziemlich falschen Zeitpunkt gestellt. Im Juli 1870 wussten die Deutschen, wozu sie Soldaten brauchten. […]
Russians
Der Song erschien 1985, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Die atomare Aufrüstung zwischen den USA und der Sowjetunion ließ die Angst vor einem nuklearen Konflikt wachsen. Ronald Reagan sprach vom Reich des Bösen, in Europa demonstrierte die Friedensbewegung gegen Raketenstationierungen und atomare Abschreckung. Der Künstler Sting griff diese Stimmung mit Russians auf. Sein Song ist kein Friedensappell. Er ist eine nüchterne Beschreibung gegenseitiger Angst.
Im Liedtext richtet Sting den Blick auf die gemeinsame Menschlichkeit. Und er formuliert die beinahe erschreckend einfache Hoffnung, dass auch die Russen ihre Kinder lieben. We share the same biology, regardless of ideology. Gerade diese Schlichtheit macht das Lied so eindringlich. Russians handelt von der Erkenntnis, dass es keine Monster gibt, sondern nur verschiedene Seiten, auf denen Menschen handeln, die sich um ihre Liebsten fürchten. How can I save my little boy / From Oppenheimer’s deadly toy? […]
