Wolfgang Zarnack: Miniserie gegen den Krieg

Die Serie von Wolfgang Zarnack findet sich auf Youtube: Playlist und alle weiteren Informationen auf: wolfgangzarnack.de/embedded.html

Interview in den Nachdenkseiten von Marcus Klöckner: „Die große Mehrheit ist gegen Krieg, wir sollten das auch deutlich mitteilen“
„Embedded“ – Unter diesem Titel hat der Schauspieler Wolfgang Zarnack im Alleingang eine Miniserie mit 53 Teilen gegen den Krieg produziert. Wie kam es dazu? Was hat ihn motiviert? Im Interview mit den NachDenkSeiten erzählt er, wie es dazu kam, dass er die Schauspielkunst dazu verwendet, seine Stimme gegen den Krieg zu erheben.

Auszug aus dem Interview:

Marcus Klöckner: Sie waren als Journalist „embedded“, also „eingebettet“ in Polen – bei einem Krieg gegen Russland. Wobei, um es richtig auszudrücken: Nicht Sie selbst, sondern der Charakter war „embedded“, den Sie als Schauspieler gespielt haben. Was war das für eine Erfahrung?

Wolfgang Zarnack: Für einen Drehblock bin ich in polnische Wälder gefahren und habe dort etwa die Hälfte meiner Serie gedreht, die von einem fiktiven Krieg in der nahen Zukunft handelt. Die Polenreise war auf jeden Fall eines der Highlights beim Drehen. Spannend, herausfordernd, sehr anstrengend und zugleich sehr befriedigend und sehr frei.

Am besten mal der Reihe nach. Sie haben im Alleingang eine Serie mit bis jetzt insgesamt 53 sehr kurzen Teilen produziert, in der nur Sie als Schauspieler vorkommen. Eine Serie, die den Krieg kritisiert. Wie kam es dazu? Was war Ihre Motivation?

Wir diskutieren zu Hause viel über neue Formate und Filmideen, und oft bleibt es beim Rumspinnen. Aber das Thema hat mich nicht losgelassen. Mich entsetzt die Aufrüstung. Mein Vater ist 1938 in Berlin geboren. Er hat Bombennächte im Berliner Luftschutzkeller erlebt, Flucht, Internierungslager, bei einer Zugfahrt sagte seine Mutter zu ihm: „Schau, da hinten am Horizont – das brennende Dresden.“ Zwei seiner Geschwister haben Flucht und Hunger nicht überlebt. Sein Bruder hieß Wolfgang – meinen Namen trage ich von diesem toten Kind.

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Die Geschichte spielt 2029, basierend auf realen Kriegsszenarien. Meine Figur ist Sportjournalist aus Hannover und ich habe mich bemüht, einen typischen Bürger unserer Zeit abzubilden. Er ist erschöpft von dem, was er macht, und sucht Sinn in seiner Tätigkeit. Deswegen meldet er sich als Embedded-Journalist, um die Truppe zu begleiten. Um sich zu erklären und seinen Weg zu dokumentieren, nimmt er ein Videotagebuch für seine kleine Tochter auf. Und in diesem Setting erleben wir die Geschichte. Wie er mit Themen konfrontiert wird, die er nicht auf dem Schirm hatte, und so Stück für Stück seine Weltsicht ins Wanken kommt; quasi einem Realitätscheck unterworfen wird. Jede der 53 Folgen hat ein eigenes kleines Thema, sei es Eltern-Kind-Beziehung, sei es Medienkritik oder das eigene Selbstbild in einer Krisensituation. Und gleichzeitig geht die äußere Handlung, also das Kriegsgeschehen, stetig weiter. […]